Wolfenhausen, Lederfabrik Möhlenbeck

Die spätere Lederfabrik Möhlenbeck in Wolfenhausen geht auf die wohl schon 1798 gegründete Geberei Maurer zurück, die ihren Sitz in Wiesbaden hatte. Über die Geschichte dieser Gerberei bis in die 1930er Jahre liegen bisher keine Informationen vor. In den 1930er Jahren wurde die Gerberei räumlich erweitert. 1938/39 baute man das sog. "weiße Gebäude". Ein Belegschaftsfoto aus dem Jahr 1937/38 zeigt neben dem Inhaber Albert Maurer 20 (ausschließlich männliche) Beschäftigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete man den "roten Bau, in dem die Wasserwerkstatt und die Trockenräume untergebracht wurden.

1948/49 verlegte man eine Wasserleitung von der Grube Theodor und nutzte das natürliche Gefälle zur sicheren Versorgung der Fabrik. In diesen Jahren wurden auch die oberen Bauten wie das Kesselhaus, die Lohscheuer, die Werkstatt und das Häutelager errichtet. 1953 wurde die Gerberei Maurer zwangsversteigert.

Aus dem Konkurs erwarben die Familien Möhlenbeck und Kocks im Sommer 1954 die bisherige Gerberei in Wolfenhausen, um darin eine Lederfabrikation aufzubauen. Der Firmenchef Wilhelm Möhlenbeck war schon in der Lederstadt Mühlheim an der Ruhr in dieser Branche tätig gewesen. Von seinem Bruder ließ er sich in der gemeinsam betriebenen Firma auszahlen, um die Fabrik in Wolfenhausen erwerben zu können. Mit Möhlenbeck kamen sein Schwiegersohn Karl-Heinz Kocks als Direktor, der Prokurist und vier Meister des alten Betriebs nach Hessen. Zur Umstellung des Betriebes wurde der Bestand an Maschinen erneuert und erweitert, die zumeist von den Firmen Mönus und Turner in Oberursel geliefert wurden. Die Gerbfässer wurden von einer Firma in Eschwege gefertigt.

Für die Lederherstellung wurden neben Kuhhäuten in erster Linie Bullenhäute aus den Vereinigten Staaten und aus Süddeutschland verwendet, chemische Grundstoffe bezog man von deutschen und schweizerischen Chemiefirmen. Für die Gerbung mit Lohe verwendete man Mimosarinde aus Südafrika, mehr wohl als die Eichenrinde aus den Haubergen der heimischen Region. Das in der Fabrik hergestellte Leder wurde von den Offenbacher Lederwarenherstellern abgenommen und zu Koffern, Taschen, Bekleidungsstücken und Handschuhen weiterverarbeitet. Französische Abnehmer bezogen aus Wolfenhausen Autoleder. Daneben wurde Leder für Schuhsohlen und billigeres Spaltleder für Brandsohlen hergestellt.

Die Lederfabrik Wilhelm Möhlenbeck KG entwickelte sich in den 1950er und 1960er Jahren recht gut. Zu Spitzenzeiten beschäftigte man 120 Mitarbeiter, die vorwiegend aus Wolfenhausen und den umliegenden Orten kamen, aber auch schon ein spanisches Ehepaar und 15 türkische "Gastarbeiter". Nach dem Tod des Seniorchefs Wilhelm Möhlenbeck im Sommer 1967 übernahm Karlheinz Kocks die Leitung der Firma als zu dieser Zeit größte Lederfabrik in Hessen. Zu Beginn der siebziger Jahre wurden erste wirtschaftliche Probleme deutlich, so dass die Firma am 10. Juni 1974 ein Vergleichsverfahren beantragen musste, dem schon einen Monat ein Konkursverfahren folgte.

 

Die weitere Nutzung und Entwicklung des Gebäudebestands ist bisher noch nicht ausreichend ermittelt.Aus dem Beitrag von Joachim Falkenbach ergibt sich, dass am 20. Juli 1981 der über 50 Meter hohe Schornstein des Kesselhauses gesprengt wurde. Den kleineren Schlot, der nicht gesprent werden konnte, baute man im April 1991 zurück.

Ein Teil der Gebäude wird heute von einer Landhandelsfirma genutzt. Das möglicherweise vor 1822 erbaute Manufakturgebäude der Gerberei Maurer mit einem um 1900 entstandenen Giebelbau wurde, obwohl es als Kulturdenkmal unter Schutz stand, wurde 2006 wegen des schlechten baulichen Zustands abgerissen.

 

 

Objektinformationen

Sparte: Verarbeitende Industrie

Funktion: Lederfabrik

Nutzungszeit: (1798) 1954 - 1974

Zustand:

Denkmalschutz: unklar

Die Lederfabrik Möhlenbeck in Wolfenhausen, 1955
Die Lederfabrik Möhlenbeck in Wolfenhausen, 1955

Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Bornbachstraße 5/7, Weilmünster-Wolfenhausen

Lage: im südwestlichen Teil der Ortslage von Wolfenhausen

Zufahrt:

Zugänglichkeit:


Bilder


Abbildungen: (1-4) Falkenbach, Aus der Geschichte der Lederfabrik S, 12, 13, 15 und 16

Literatur:

  • Falkenbach, Joachim: Aus der Geschichte der Lederfabrik [Möhlenbeck]. In: Bäsembinner Bläädche, Weilmünster-Wolfenhausen Bd. 14, 2007, H. 54, S. 12-17.
  • Falbel, Dietmar: Ehemalige Gewerbetriebe. Die Lederfabrik. In: Wolfenhausen. Ein Dorf und seine Leute, 1194-1994, 1994, S. 219 ff.

Web-Informationen:

Bearbeiter/in: Otto Volk