Sinn, Blechwarenfabrik Ludwig Martin

An der heutigen Bahnhofstraße in Sinn gründete Ludwig Martin (1855-1925) 1899 eine Fabrik zur Herstellung "von Ofenrohren und anderen Blechwaren durch Vernieten". Er war einer der Söhne des Conrad Martin, der ebenfalls in Sinn eine solche Firma betrieb, und hatte dort seine Kenntnisse und Fähigkeiten in der Blechbearbeitung erworben. Mit der Fertigung von Ofenrohren stellte Ludwig Martin ein Produkt her, das zum Betrieb der Öfen der heimischen Ofenindustrie notwendig war und deren Angebotspalette ergänzte. Bald wurden von der Blechwarenfabrik auch Räucherschränke für den Bedarf der ländlichen Haushaltungen in das Programm aufgenommen.

Nach dem Tod Ludwig Martins 1925 führten seine Witwe Emilie und ihre Söhne Albert und Emil das Unternehmen weiter, seit 1936 war Emil Martin alleiniger Inhaber. Er erweiterte die Produktion auf die Blechschlosserei insgesamt, wurde jedoch seit 1939 im Rahmen der nationalsozialistischen Planwirtschaft in die Rüstungsindustrie einbezogen, für die er Be- und Entlüftungsanlagen für Militär  und Reichsarbeitsdienst sowie für Kriegsgefangenenunterkünfte herstellte.

Nach Kriegsende verlegte man die Produktion auf Heizgeräte, Warmwasserbereiter und Kühlschränke, stellte aber auch Rollladenbeschläge und Stanzprodukte her. Nach dem Tod Emil Martins 1968 leiteten seine Erben eine Erneuerung der Firmengebäude ein, mussten das Unternehmen aber schon 1973 endgültig aufgeben.

Während das Wohngebäude an der Ecke der Bahnhofstraße erhalten blieb, wurden die leerstehenden alten Firmengebäude 2016 abgebrochen, um Raum für eine Neubebauung zu schaffen.

Objektinformationen

Text


Lage

Sinn, Bahnhofstraße 14


Bilder


Bearbeiter: Otto Volk

Abbildungen: (1-3) Otto Volk, April 2016

Literatur:

Sartor, Hermann J.: Ludwig Martin gründete vor hundert Jahren in Sinn eine Fabrik. Herstellung von Ofenrohren. In: Heimatjahrbuch für das Land an der Dill im Lahn-Dill-Kreis 1998, S. 42-43.

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