Fleisbach, Turbinenhaus der Wilhelmswalze

1837 gründete der Dillenburger Kaufmann Louis Gourdè im Dilltal südlich von Sinn die Wilhelmswalze, die nach dem Landesherrn, Herzog Wilhelm I. von Nassau (1792-1839) benannt wurde. Entscheidend für die Anlage an diesem Ort war wahrscheinlich der dillaufwärts abzweigende Wassergraben, der wenig unterhalb der Wilhelmswalze wieder der Dill zugeführt wird. Am 27.4.1837 gab die Herzoglich Nassauische Regierung Gourdè die Genehmigung zur Errichtung eines Hammer-, Walz- und Schmiedewerks auf der herzoglichen Mittelwiese.
Die Wilhelmswalze war das erste Eisenblechwalzwerk im Herzogtum Nassau. 1843 lieferte die Firma Engelbert Achenbach und Söhne in Marienborn vier Walzen an das Werk. Von hier aus wurde später u.a. die Rehmühle bei Merkenbach mit Vorprodukten für die Drahtzieherei beliefert. Ihr Rohmaterial bezog die Wilhelmswalze anfangs von der Neuhoffnungshütte in Sinn.
In den 1870er Jahren waren in der Wilhelmswalze 69 Arbeiter beschäftigt, die im Jahr 26.521 Zentner Puddeleisen und 19.845 Zentner Schwarzblech herstellten. Um 1895 wurde die Blechherstellung im Walzwerk aufgegeben und durch eine Verlagerung auf die Herstellung von Blechprodukten ersetzt.

Teilhaber der Firma mit dem Namen Gourdè & Bertina wurde der Ingenieur Carl Franz Bertina, der 1877 mit seiner Frau als Hüttenbesitzer der Wilhelmwalze genannt wird. Um 1885 übernahm Bertinas Sohn Emil den Betrieb. Er verkaufte ihn 1895 an seinen Schwiegervater Albert Doering. Über Doerings Schwiegersohn Rudolf Treupel (1905) kam die Wilhelmswalze 1910 an Hermann Weiß aus Hilchenbach, der jedoch 1911 in Konkurs geriet.
Nach dem Konkurs kaufte die Firma W. Ernst Haas & Sohn (Neuhoffnungshütte) in Sinn die Wilhelmswalze, um die Wasserkraft für die Stromerzeugung zu nutzen. Unmittelbar nach dem Erwerb wurde das heutige Kraftwerkshaus errichtet. Eine 1915 von Haas & Sohn aufgenommene Drahtseilfabrikation in der Wilhelmswalze wurde wegen fehlenden Erfolgs 1924 wieder aufgegeben. Bei einem großen Dillhochwasser am 7./8. Februar 1984 wurden die Anlagen zur Energieerzeugung so stark geschädigt, dass die Stromerzeugung eingestellt wurde. Danach übernahm die Gemeinde Sinn die Stromerzeugung der Wilhelmswalze.
Das Turbinenhaus ist Kulturdenkmal. 1992 wurde die Gemeinde Sinn für die vorbildliche Sanierung des Turbinenhauses Wilhelmswalze mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.

Objektinformationen

Sparte: Eisen, Stahl und Metalle

Funktion: Walz- und Schmiedewerk (Turbinenhalle)

Nutzungszeit: 1837 - 1924

Zustand: gut

Denkmalschutz: ja


Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Zur Wilhelmswalze, Sinn-Fleisbach

Lage: südlich von Sinn in der Nähe der Autobahnbrücke der A 45

Zufahrt: auf der Straße Zur Wilhelmswalze ab Sinn

Zugänglichkeit: nur von außen zu besichtigen


Bilder


Abbildungen: (1-4) Otto Volk, (5) TK 1:25.000

Literatur:

Web-Informationen:
Bearbeiter/in: Otto Volk