Dillhausen, Blashütte

Die frühneuzeitliche Eisenhütte bei Dillhausen entstand 1595 als landesherrliche Gründung. Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg (1536 - 1606) wählte dazu einen Standort in der Nähe von Dillhausen (zwischen Löhnberg und Mengerskirchen), wo es bekannte Roteisensteinvorkommen gab. An der Stelle der heutigen Schampe-Mühle konnte das Wasser des Faulsbachs für den Betrieb von Blasebälgen genutzt werden. In der urkundlich genannten Blashütte wurde im Auftrag des Grafen von dem Landschultheißen und Oberfürster Johann Hungrichhausen ein "hoher Ofen" zur Eisensteinverhüttung errichtet. Aus dem darin erschmolzenen Eisen stellte man gusseiserne Töpfe, Ofenplatten und Herde her.

Nach dem Tod Graf Johann fiel die Hütte an seinen Sohn Georg von Nassau-Beilstein (1562-1623), der der Betrieb des Blashütte fortführte und durch ein neues Hammerwerk bei Löhnberg ergänzte. Der Holzbedarf des offensichtlich erfolgreichbetriebenen Hochofenbetriebs war so groß, dass 1620 der Breiwald (südlich von Probbach) bereits abgeholzt war und auf Geheiß des Grafen das Holz vom Hermannsberg (zwischen Dillhausen und Probbach) bezogen werden sollte.

1628 kam Dillhausen mit der Blashütte an Graf Johann-Ludwig von Nassau-Hadamar, während Löhnberg mit dem Hammerwerk an die Herrschaft Nassau Diez fiel. Der bisherige Pächter des Hochofens und des Hammerwerks, Kämmerling, errichtete daraufhin bei Löhnberg ebenfalls einen Hochofen und kündigte 1634 den Pachtvertrag über die Dillhäuser Hütte, die damit offensichtlich für längere Zeit ihren Betrieb einstellte.

1662 verfügte Graf Moritz Heinrich von Nassau-Hadamar (1626-1679) den Bau eines neuen Hochofens in der Blashütte, der jedoch ebenfalls nicht lange in Betrieb war, wird doch schon 1684 an gleicher Stelle statt eine Eisenhütte eine Mahlmühle genannt. Pächter der Mühle war zu dieser Zeit Georg Schardt, imh folgte 1693 Paul Kuntz aus Dillhausen und 1742 ein Wilhelm Kessler. Als letzter war Gottlieb Engelmann als Müller tätig. Die heutige Besitzerfamilie betreibt auf dem Hof und benachbartem Gelände eine Pferdehaltung.

Objektinformationen

 Sparte:  Eisen, Stahl und Metalle

Funktion: Frühe Eisenhütte

Nutzungszeit: 1595 - um 1684

Zustand: wahrscheinlich keine Überreste

Denkmalschutz: nein

Schampe-Mühle in Google-Earth
Schampe-Mühle in Google-Earth

Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Schampe-Mühle 1, Dillhausen

Lage: südöstlich von Dillhausen, nahe der L 3281

Zufahrt: auf der L 3281

Zugänglichkeit: Privatbesitz


Bilder


Bearbeiter/in: Otto Volk

Abbildungen: (1) Google-Earth

Literatur: Thomas Klein, Eine vergessene Industrie in Dillhausen - die Eisenverhüttung. In: 700 Jahre Dillhausen, 1307-2007, Geschichte und Geschichten, hrsg. von der Gemeindeverwaltung Mengerskirchen, 2007, S. 86-87.