Limburg, Blechwarenfabrik

Die Blechwarenfabrik Limburg GmbH wurde 1872 von Joseph Heppel gegründet. Zunächst noch in einem kleinen Gebäude in der Frankfurter Straße ansässig begann der zunächst noch eher handwerklich arbeitende Betrieb mit der Herstellung von Haushaltsgegenständen und Laternen. Als Joseph Heppel bald darauf als einer der ersten in Deutschland anfing Blechdosen zu produzieren waren die Weichen für den künftigen Siegeszug der Blechwarenfabrik Limburg gestellt. 1898 reichten die Produktionsräume in der Frankfurter Straße nichtmehr aus und in der Diezer Straße 65 wurde ein ca. 4.700m² großes Fabrikgebäude errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand zudem ein Wohnhaus für den Firmeninhaber, das in Limburg noch heute umgangssprachlich als „Heppel-Villa“ bezeichnet wird.
Zum 1. Januar 1904 verkaufte Joseph Heppel seine Fabrik an die Herren Friedrich Obenauer, dessen Sohn Albert (Saarbrücken) und Carl Deidesheimer (Neustadt an der Haardt). Der Name des Firmengründers wurde jedoch erst 1914 aus dem Handelsregister gestrichen und der Name „Blechwarenfabrik Limburg GmbH“ stand endgültig fest. Unter neuer Führung wurden in den Jahren 1905 – 1909 auffallend viele Patente für Produkte und Maschinen eingereicht, darunter z.B. eine “Konservenbüchse mit doppeltem, zur Aufnahme einer ohne Luftzufuhr verbrennenden Heizpatrone dienendem Boden“, einem „Eimer oder dergl., welcher sich gegenüber den bekannten Konstruktionen dadurch auszeichnet, dass sein Fussreifen ohne vorstehende Teile, wie Nieten, also beispielsweise mit Schweiss- oder Lötbindungen ausgebildet ist.“, oder eine „Vorrichtung zur Herstellung von Übergreifdeckeln mit gerolltem Rand“.
Die folgenden Jahre waren von Aufschwung und Expansion geprägt. 1908 erhielt das Werk in Limburg einen eigenen Gleisanschluss, 1913, bzw. 1927 wurden Werke in Grötzenberg bei Waldbröl, bzw. in Godesberg (Rh.) erworben und als Zweigwerke eingerichtet. Im September 1926 zerstörte ein Großbrand einen einstöckigen Fachwerkbau auf dem Firmengelände und zwei Monate später wurde der Neubau eines Fabrikgebäudes an eben dieser Stelle beschlossen um so weitere Produktionskapazitäten zu schaffen.
Als am 25. Oktober 1929 mit dem „Black Friday“ die globale Wirtschaftskriese begann, ging diese auch an der Limburger Blechwarenfabrik nicht spurlos vorüber. So mussten in den nächsten Jahren die Zweigwerke in Godesberg (1936) und Grötzenberg (1937) verkauft und Arbeiter entlassen werden um wieder eine positive Geschäftsbilanz zu erzielen.
Auch wenn im zweiten Weltkrieg wohl weder eine direkte, noch eine indirekte Kriegsfertigung stattfand wurden doch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus dem benachbarten STALAG XII A in der Produktion eingesetzt. Insbesondere ab 1944 kam es infolge des Krieges zu erheblichen Produktions- und Absatzschwierigkeiten. Durch andauernde Streckensperrungen und Waggonmangel war ein geregelter Versand nicht möglich und durch wiederholten Fliegeralarm wurde die Produktion immer wieder unterbrochen. Bei einem Fliegerangriff der eigentlich der benachbarten Bahn gegolten hatte wurde das Werk leicht beschädigt. Allerdings trafen viele Bomben das STALG XII A, so dass allein im Lager 124 Tote zu beklagen waren. Am Sonntag dem 25. März 1945, einen Tag vor der Befreiung Limburgs durch die Amerikaner erfolgte der letzte große Luftangriff auf Limburg. Im Rahmen dieses Angriffs wurde auch die Blechwarenfabrik getroffen und 75% der Gebäude zerstört.
Nach dem Ende des Weltkriegs begannen die Aufräumarbeiten und die Produktion lief langsam wieder an. In 1952/53 war der Gebäudebestand wieder mit dem Vorkriegsniveau vergleichbar und dank des amerikanischen Aufbauprogramms wurde das Werk mit modernen Maschinen ausgestattet. War 1947 das Hauptgeschäft noch die Herstellung von Konservendosen gewesen, so wurde die Produktpallette in den folgenden Jahren permanent erweitert. Die Jahre des Wirtschaftswunders machten sich bemerkbar, Verpackung und Werbung wurden in bis dahin nicht gekannten Umfang benötigt. Neben Blechdosen in verschiedensten Variationen wurden auch Blechschilder, Serviertabletts, Spardosen und Kronkorken gefertigt. Um die gefertigten Produkte direkt bedrucken zu können arbeitete man bis in die 50er Jahre mit Lithographie. Mitte der 50er Jahre wurde dieses Verfahren durch den Offsetdruck ersetzt.
Eine seit Mitte der 50er Jahre anhaltende, rege Bautätigkeit spiegelt das anhaltende Wachstum des Unternehmens. 1954 wurde an das bestehende Gebäude ein Nordflügel angebaut, 1961 erfolgt ein Anbau im Westen. 1972, pünktlich zum 100jährigen Firmenjubiläum wird eine neue Produktions- und Lagerhalle eingeweiht und 1980 um ein Fertigwarenlager ergänzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die gesamte Fabrikations- und Lagerfläche der Blechwarenfabrik auf rund 27.000m² vergrößert. 1992 Entsteht in der Rudolf-Schuy-Straße das „Werk 2“ und im Nordwesten des alten Firmengeländes wird 1999 eine moderne Produktionshalle errichtet, die zum Tag der Architektur 2000 das Prädikat „vorzeigenswertes Objekt“ erhielt. Der Firmeninterne Fuhrpark war in den 90er Jahren auf 13 LKW angewachsen, wurde jedoch schrittweise abgebaut und durch Speditionen ersetzt. Im Zuge dieser Veränderung wurde 2003 ein neues Logistikzentrum in Diez eröffnet.
Die jüngere Geschichte der Blechwarenfabrik Limburg GmbH ist durch eine Expansion nach Osteuropa/Russland, seit den Jahren 2008/2010 und mit Hilfe von Tochterunternehmen gekennzeichnet.

Objektinformationen

Sparte: Verarbeitende Industrie / Metallindustrie

Funktion: Blechwarenfabrik

Nutzungszeit: (1872) 1898 - heute

Zustand: gut

Denkmalschutz: nein


Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Diezer Straße 65 / Stiftstraße 1, Limburg

Lage:

Zufahrt:

Zugänglichkeit:


Bilder


Abbildungen: (1) Google Earth

Literatur:

  • Crone, Marie-Luise: Schlaglichter aus der Geschichte der Blechwarenfabrik Limburg GmbH : 1872 - 2012 ; [140 Jahre Blechwarenfabrik Limburg - 140 Jahre Firmengeschichte], 2012.
  • 100 Jahre Blechwarenfabrik Limburg GmbH [1872 - 1972], Limburg [1972].

Web-Informationen:
Bearbeiter/in: Julia Hillebrand