Merkenbach, sog. Wasserschloss

Das weithin sichtbare sog. Wasserschloss von Merkenbach, das oft fälschlicherweise als Wasserturm bezeichnet und mit der Wasserversorgung des Orts in Verbindung gebracht wird, ist Teil der Kraftwerkskette Rehbachtal. Das Gefälle des Rehbachs von 390 m (seit dem 1960er Jahren unter der Einbeziehung der Krombachtalsperre) wird in mehreren Stufen zur Stromerzeugung genutzt. Vom vorletzten Kraftwerk bei Guntersdorf (ca. 351 m über NN) wird das Wasser aus dem etwa 25.000 Kubikmeter fassenden Staubecken durch ein Rohr von 1,20 m Durchmesser zum 5,5 km entfernten Merkenbacher Wasserschloss geführt. Zum Transport des Wassers reicht dabei nach dem Prinzip der Kommunizierenden Röhren ein Höhenunterschied von etwa 15 Metern auf der Gesamtstrecke aus. Im Ruhezustand entspricht damit dem Spiegel des Staubeckens bei Guntersdorf ein gleichhoher Spiegel etwa in halber Höhe des Turms. Bei Bedarf lässt man von hier das Wasser durch eine Druckrohrleitung auf die Turbinen des 150 m tiefer liegenden Kraftwerks Merkenbach hinabstürzen, wobei etwa 1.600 kW Strom erzeugt werden.

Beim Anfahren des Kraftwerks in Merkenbach kommen dem Wasserschloss technisch wichtige Funktionen zu: Beim Öffnen des Abflusses talabwärts dient das hier gehaltene Wasser dazu, die Turbinen in Gang zu bringen, bis das aus Richtung Guntersdorf nachströmende Wasser diese Aufgabe übernimmt. Es ist einerseits ein Ausgleichsbehälter, damit beim Schließen der Zufuhr aus Guntersdorf das noch nachströmende Wasser aufgenommen werden kann und es nicht zum Bersten der Anlage kommt.

Vor der Einbeziehung der wasserreichen Krombachtalsperre nutzte man das Wasserschloss zeitweilig auch in einem Pumpspeicherwerk-System, bei dem in Zeiten geringeren Strombedarfs Wasser aus dem Ausgleichsbecken im Tal (bei 202 m über NN) wieder in die Höhe gepumpt wurde, um bei wachsendem Bedarf wiederum auf die Turbinen abgelassen zu werden.

Das Wasserschloss auf dem 332 m hohen Katzenstein südöstlich von Merkenbach wurde 1928/29 errichtet und 1929 in Betrieb genommen. Bemerkenswert ist, dass beim Bau des Turms und der notwendigen Wasserleitungen wegen der Geländeprobleme keine Großmaschinen eingesetzt werden konnten, sondern alle Erdarbeiten in Handarbeit erfolgten. Der Turm hat eine Höhe von 30 Metern und einen Durchmesser von 5 m (Volumen etwa 590 Kubikmeter). Die Rohre bestanden zunächst aus Holz, das über Nut und Feder zusammengefügt und von Eisenringen zusammengehalten wurde. Sie wurden jedoch später durch Stahlrohre ersetzt.

Objektinformationen

Sparte: Energie

Funktion: Teil eines Wasserkraftwerks

Nutzungszeit: 1929 - heute

Zustand: gut

Denkmalschutz: nein


Lage und Zugänglichkeit

Adresse: keine

Lage: südöstlich von Merkenbach auf dem 332 m hohen Katzenstein

Zufahrt: Zugang über einen steilen Fußweg von Merkenbach von der Alten Beilsteiner Straße aus oder über einen befestigten Weg von der K 51 westlich von Fleisbach

Zugänglichkeit: von außen jederzeit zugänglich


Bilder


Abbildungen: (1) Otto Volk, (2) Foto Franz Krämer, Archiv der Dill-Zeitung

Literatur:

  • Scharf, Kilian: Seit 80 Jahren wird im Rehbachtal aus Wasserkraft Strom erzeugt. In: Heimatjahrbuch für das Land an der Dill im Lahn-Dill-Kreis 49, 2006, S. 140-142.
  • Arnscheidt, Paul: Der Merkenbacher Wasserturm. In: Heimatjahrbuch für das Land an der Dill im Lahn-Dill-Kreis 1997, S. 219-220.

Web-Informationen:

Bearbeiter/in: Otto Volk