Burg, Burger Hütte

Bei der Mündung der Aar in die Dill nördlich von Burg gründeten die Brüder Reichmann aus Dillenburg 1727 die Burgerhütte, die zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Region werden sollte. Nach mehreren Eigentümerwechseln erwarb 1823 der Fürst von Wittgenstein die Hütte. Pächter des jetzt „Burger Eisenwerk Gesellschaft oHG“ genannten Werks wurdeb die Firma Göbel & Haas und der Hüttenbesitzer J.J. Jung aus Steinbrücken. Bis 1898 wurde wegen der angeblich guten Qualität Gusseisen noch mit Holzkohle-Hochöfen erzeugt, jedoch experimentierte man ab 1862 mit kohlebetriebenen Kupolöfen, mit denen viel höhere Temperaturen erreicht wurden.

1899 ließ sich das Unternehmen den Namen „JUNO“ für ihre Produkte patentieren. Das innovative Unternehmen gehörte bald mit vielen Patenten für Öfen, Küchen- und Badeinrichtungen zu den ganz Großen am Markt. Ein Jahr später wurde ein Emaillierwerk gebaut. 1920 erhöhte der neue Gesellschafter Grün das Grundkapitals auf über 5 Mio. Mark und beschleunigte die technischen Neuerungen. 1927 wurde der erste Gasherd und 1932 erste Elektroherde hergestellt. Ab 1935 spezialisierte man sich auch auf Großkochanlagen. Der Kriegsbeginn zwang die Burger Eisenwerke zur Produktion von Rüstungsgütern. Die Belegschaft stieg auf 1200 Mitarbeiter.

Bei Kriegsende wurde das Werk fast vollkommen zerstört. Aber bereits im Spätsommer 1945 begann eine beschränkte Fertigung mit 490 Mann, 1960 waren es schon 2000. Das Emaillierwerk, eine Schleiferei und eine Vernickelungsanlage wurden eröffnet. Nach dem Tod von Carl Grün ging das Werk 1958 an Buderus und 1990 an den schwedischen Konzern Elektrolux. Die veränderte Wirtschaftssituation führte zu einem langsamen Niedergang. Das Werk wurde 2003 geschlossen.

Objektinformationen

Sparte: Eisen, Stahl und Metalle

Funktion: Eisenwerk, Gießerei

Nutzungszeit: 1727 - 2003

Zustand: unklar

Denkmalschutz: nein


Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Junostraße 1, Herborn-Burg

Lage: nordöstlich des Ortskerns zwischen Dill und B 277

Zufahrt:

Zugänglichkeit:


Bilder


Informationen und Hinweise: Friedrich Heuser, Burg

Abbildungen: (1) Michael Ferger / Kim Felix Welsch, (2-3) Störkel, Herborn und seine Stadtteile, (4) LAGIS

Literatur:

 

  • Heuser, Friedrich: Zur Geschichte der Burgerhütte: die letzten Jahre. In: Heimatnachrichten von Aar und Siegbach. - Bd. 2002/2003, 2003, S. 109-130.
  • Jean, François Xavier: 26 Monate als französischer Fremdarbeiter in der Burgerhütte. In: Heimatnachrichten von Aar und Siegbach 2000, S. 83-92.
  • Heuser, Friedrich: Eine Ära geht zu Ende : Außerbetriebsetzung des Holzkohlehochofens auf der Burgerhütte zu Burg im Jahre 1898. In: Heimatnachrichten von Aar und Siegbach. - 1998, S. 46-48.
  • Heuser, Friedrich: Vor 100 Jahren erlosch das Feuer im Holzkohlehochofen : auf der Burgerhütte ging eine Ära zu Ende. In: Heimat an Lahn und Dill. - Bd. 355.1998, S. 1.

 

Web-Informationen:

Bearbeiter/in: Michael Ferger / Otto Volk