Niederscheld, Adolfshütte

Die Adolfshütte bei Niederscheld geht auf ein Hammerwerk aus dem frühen 17. Jahrhundert zurück. 1607 hatte Georg Graf von Nassau-Katzenellenbogen 1607 den Schmiedehammer auf der „Wiese bei Niederscheld“ gegründet, der zunächst Nägel, Draht und andere Metallwaren herstellte und bis in die 1830er Jahre unter Regie des Nassauer Fiskus betrieben wurde. 1831 ergänzte man der Eisenhammer durch eine Eisenhütte. Als Herzog Adolf das Werk zum Verkauf anbot erhielten die Brüder Christian und Georg Frank 1839 für 6.000 Gulden den Zuschlag. Der von ihnen betriebene Reddighäuser Hammer bei Hatzfeld war und blieb mit der neuen Hütte eng verbunden.

Die Brüder Frank und ihre Erben entwickelten aus diesen Anfängen in 150 Jahren daraus die „Adolfshütte“ zu einem der größten metallverarbeitenden Betriebe der Lahn-Dill-Region. Das Unternehmen blieb bis zu seiner Auflösung im Besitz und unter der Leitung der Familie Frank.

In zwei Holzkohlehochöfen erzeugte die Hütte, die seit 1840 nach Herzog Adolf von Nassau den Namen „Adolfshütte“ trägt, aus Erzen der von Frank erworbenen Gruben preiswertes Roheisen. Pro Hochofenkampagnien (ca. 20 Wochen) erwirtschafteten sie einen Gewinn von ca. 4.500 Gulden. Von 1841 bis in die 1860er Jahre stand zunächst die Eisenverhüttung im Vordergrund, später die Erzeugung von Puddelroheisen und Hammererzeugnissen. In den mit einem modernen Dampfgebläse ausgerüsteten Hochöfen wurden 1858 1.200 t Roheisen und 235 t Gusswaren erzeugt. Mit dem Beginn der Eisenkrise ab 1842/43 stieg das Unternehmen stärker in die Gusswarenproduktion ein. Erzeugte wurden zunächst Kochtöpfe und die ersten gusseisernen Zimmeröfen. Wegen der harten Konkurrenz im Lahn-Dill-Revier für diese Produkte wurden mit dem Verkauf von Erzen aus eigenen Gruben die Hütten- und Gussproduktion subventioniert.

 

Außer dem Hochofenbetrieb, der Roheisen für den Verkauf und für die eigene Gussproduktion erzeugte, bestanden ab den 1860er Jahren die Betriebsbereiche Gießerei, das Puddelwerk, das Blechwalzwerk und der Hammerbetrieb. Im Walzwerk war bereits eine Dampfmaschine eingesetzt. Der Puddelbetrieb und das Walzwerk wurden bis 1883 schrittweise stillgelegt, da die Holzkohlehochöfen nicht mehr rentabel waren. 1887/88 ging das Unternehmen zum reinen Kupolofenbetrieb über. 1905-1910 investierte die 1897 in „Frank’schen Eisenwerke GmbH, Adolfshütte“ umbenannte Firma über 500.000 Mark in ein Emaillierwerk und eine Nickelveredelungsanlage, so dass die vollständige Eigenherstellung von irischen und amerikanischen Dauerbrandöfen möglich wurde.

Die Öfen und Herde der Marke „ORANIER“ hatten sich am Markt längst erfolgreich etablieret und bescherten dem Unternehmen steigende Gewinne. Einige Produkte wurden vom dem Bauhausbegründer Walter Gropius, der seit 1923 mit Ilse Frank verheiratet war, und nach dessen Emigration von Wils Ebert entworfen.1921 übernahmen Hermann Roth und Bernhard Rolfes die technische Leitung. Rolfes leitete die Adolfshütte bis 1972. Er erkannte die Wichtigkeit der Forschung und richtete ein chemisch-technisches Laboratorium ein. 1925 wurde der Bergbau aufgegeben und alle Grubenfelder an Buderus verkauft. Mit 1500 Mitarbeitern erreichte das Unternehmen den höchsten Belegschaftsstand vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verhielten sich das Unternehmen und ein großer Teil der Mitarbeiter politisch angepasst. Während des Krieges wurden, wie auf anderen Hütten des Reviers, Kriegsprodukte hergestellt. Hierbei wurden auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Die Ofenproduktion lief uneingeschränkt weiter. Ab dem Winter 1944 wurde das Werk zunehmend durch Luftangriffe, zuletzt im Februar 1945, fast völlig zerstört.

Nachdem die US-Behörden nach dem Krieg die Produktion wieder erlaubten, produzierte die Adolfshütte zunächst Güter des Haushaltsbedarfs und Öfen. Die Direktoren Bernhard Rolfes und Wilhelm Blum konnten nach der Entnazifizierung ihre Ämter wieder aufnehmen.

Der Wiederaufbau der Werksanlagen wurde nach einem Generalplan von dem Bauhausarchitekten Wils Ebert durchgeführt, der mit Walter Gropius bereits vor dessen Emigration Detailpläne erarbeitet hatte. Ab 1952 wurde die Produktion von Ölbrenner, Gasöfen und Ölöfen aufgenommen. Bereits 1957 hatten die Eisenwerke mit 1.760 Mitarbeitern die höchste Beschäftigungszahl der Nachkriegszeit, darunter viele Heimatvertriebene.

 

Seit den 1960er Jahren kamen die Frank’schen Eisenwerke durch den Übergang von der Einzelheizung zu Zentralheizungssystemen und anderen Strukturänderungen, wie andere Hütten der Region, in wirtschaftliche Bedrängnis. Man begegnete dem Nachfragerückgang mit der Aufnahme neuer Produktionszweige. Nachdem das Geschäftsjahr 1993 mit 10 Mio. DM Verlust abschlossen hatte und kein Rettungsplan einen Erfolg zeigte, musste 1994 der Konkursantrag gestellt werden. Die einzelnen Sparten wurden verkauft bzw. von anderen Unternehmen übernommen. Übrig blieb im Familienbesitz der Bereich Reinigungstechnik, der unter der Firmierung „Frank GmbH“ in Sinn industrielle Reinigungsgeräte und Waschstraßen herstellt.

Das Betriebsgelände, das von dem Bauhausarchitekten Wils Ebert entworfen wurde, wird als Industriegebiet von wenigen Produktions- und Dienstleistungsbetrieben genutzt. Die meisten Gebäude stehen leer. Wegen der bedeutenden Bauarchitektur der Gesamtanlage steht die Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Objektinformationen

Sparte: Eisen, Stahl und Metalle

Funktion: Eisenhütte, Gießerei

Nutzungszeit: (1607) 1839 - 1994

Zustand: gut

Denkmalschutz: ja


Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Schelderau 1, Dillenburg-Niederscheld

Lage: am nordwestlichen Rand von Niederscheld an der Bahnlinie

Zufahrt: von der Hauptstraße in Niederscheld über den Hammerweg

Zugänglichkeit: öffentlich zugänglich


Bilder

Abbildungen:

Literatur:

Web-Informationen:

Die Gründung des Schelter Hammers 1606/1607

Bearbeiter/in: Michael Ferger / Otto Volk