Buchenau, Carlshütte

Die Carlshütte wurde 1844/45 von dem Hütteninspektor Friedrich Carl Klein an der Lahn südwestlich von Buchenau errichtet und nach ihm benannt. Klein hatte in der Nähe Eisenerzlager gefunden und erschlossen, fand wegen der minderen Qualität des Erzes dafür jedoch keine Abnehmer, so dass sich der Abbau bald als wenig rentabel erwies. In der Hütte wurde zunächst aus Erzen nicht schmiedbares Roheisen erzeugt, das in umliegenden Gießereien einer zweiten Schmelze unterzogen und dann weiterverarbeitet wurde.

Die Hochöfen der Carlshütte wurden zunächst mit Holzkohle betrieben, einer Technologie, die sich spätestens mit der Verbesserung der Transportmöglichkeiten durch den Eisenbahnbau durch das Lahntal als überholt zeigte. 1878 stellte die Carlshütte darum die Produktion von der Roheisenherstellung auf die Eisenverarbeitung im Gießereisystem um. Die Hütte konzentrierte sich künftig auf die Herstellung von Eisengussprodukten für den häuslichen und gewerblichen Bereich, vor allem Öfen (Markenname: Zeus). Mit modernen Kupolöfen wurden im Monat über 50 000 kg Gusswaren produziert. Die Öfen und Eisenwaren für zahlreiche andere Zwecke offerierte man einem breiten Publikum in Musterbüchern. Die von 20 auf 400 Mann wachsende Belegschaft konnte bis zu 200 Öfen pro Tag herstellen. 1908 kamen ein Emaillierwerk und eine elektrogalvanische Vernickelei hinzu. Der eforderliche Strom wurde mit Dampfmaschinen, später mit Wasserturbinen erzeugt, die heute noch Strom liefern.

Konjunktureinbrüche, Unternehmensdefizite und eine feudale Lebensweise der Eigner brachten die Hütte mehrfach in Not. Nach 1945 konnte sich die Firma mit der Herstellung von Gasöfen wieder erholen, musste 1975 aber endgültig schließen. Teile des Geländes übernahm ein ehemaliger Mitarbeiter, der dort eine Metallbaufirma betreibt. Auf Teilen der Anlage wurden nach dem Abbruch von Altgebäuden moderne Produktionshallen errichtet, die von weiteren Firmen genutzt werden. Die Eigner-Familie versucht die alte Bausubstanz, vor allem das Magazin, zu erhalten und einer Nutzung zuzuführen.

Objektinformationen

Sparte: Eisen, Stahl und Metalle

Funktion: Eisenhütte / Eisengießerei

Nutzungszeit: 1845 - 1975 (bis heute)

Zustand: nur ein Teil der älteren Gebäude erhalten, die zumeist in gutem Zustand

Denkmalschutz: ja


Lage und Zugänglichkeit

Adresse: Carlshütte 8, Dautphetal-Buchenau

Lage: südwestlich von Buchenau in der Nähe der B 62

Zufahrt: von der B 62 Buchenau - Biedenkopf in die K 110 in Richtung Allendorf

Zugänglichkeit: Das Gelände ist Privatbesitz und kann nicht betreten werden.


Bilder


Informationen und Hinweise: Familie Ullrich, Buchenau-Carlshütte

Abbildungen: (1-2, 4-7) Otto Volk; (3) Michael Ferger / Kim Felix Welsch; (8) Sammlung Ullrich, Buchenau; (9) Topographische Karte 1:25.000, Blatt Buchenau, Ausgabe 1907 (Ausschnitt)

Literatur:

  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen, Neuauflage, bearbeitet von Folkhard Cremer. Band 1: Regierungsbezirke Gießen und Kassel, 2008, S.

  • Rödel, Volker: Reclams Führer der Industrie und Technik in Deutschland. Band 1: Alte Länder, 1992, S. 68.

  • Reulecke, C.: Ehemaliges Magazingebäude der Carlshütte : Rettung eines industriegeschichtlich für den Landkreis wertvollen Gebäudes vor Ort. In: Jahrbuch für den Landkreis Marburg-Biedenkopf 1989, S. 63-65.
  • Stoppel, Dieter:  Auf Erzsuche: Zur Geschichte des Silber-, Kupfer- und Schwerspatbergbaus im Raum Biedenkopf - Dillenburg, 1988, S. 71 f.

 

Web-Informationen: 

Bearbeiter/in: Michael Ferger / Otto Volk


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