Die Main-Weser-Bahn

Die Main-Weser-Bahn zwischen Kassel und Frankfurt (Main) war die erste Eisenbahnstrecke, die das heutige Mittelhessen an den überregionalen und regionalen Eisenbahnverkehr anschloss. Die insgesamt 196,34 km lange Strecke war seit dem 15.5.1852 durchgehend befahrbahr, nachdem die letzte Lücke zwischen Gießen und Langgöns für den Verkehr freigegeben werden konnte. Während der Planungs- und Bauzeit wurde die Realisierung der Strecke dadurch erschwert, dass sie von Kassel bis südlich Fronhausen auf dem Gebiet des Kurfürstentums Hessen und von dort bis kurz vor Frankfurt auf großherzoglich-hessischem Territorium verlief, bevor sie in der Reichsstadt Frankfurt endete.

Die Main-Weser-Bahn durchquert das heutige Mittelhessen auf rund 74,5 km Länge. Von Kassel kommend erreicht sie nördlich von Neustadt den Kreis Marburg-Biedenkopf und verlässt den Kreis Gießen bei Langgöns in Richtung Butzbach - Friedberg - Frankfurt.

Die Strecke wurde nach der Fertigstellung von Nord nach Süd in einzelnen Abschnitten freigegeben:

  • Treysa - Kirchhain (26,93 km) am 4. März 1850
  • Kirchhain  Marburg (15,09 km) am 3. April 1850
  • Marburg - Lollar (21,63 km) am 25. Juli 1850
  • Lollar - Gießen (8,09 km) am 25. August 1850
  • Gießen - Langgöns (9,43 km) am 15. Mai 1852.

Die Main-Weser-Bahn war bei ihrer Eröffnung die erste Bahnverbindung zwischen Nord- und Süddeutschland. Bis heute verbindet sie Nord- und Mittelhessen mit dem Rhein-Main-Gebiet. Sie gehört nach wie vor zu den wichtigen Nord-Süd-Verbindungen, hat jedoch durch den Bau der Schnellbahnstrecken Würzburg - Kassel und Frankfurt - Köln ebenso an Bedeutung eingebüßt wie durch dem Ausbau der Autobahnen A5 und A7. Die Strecke wird heute von der Deutschen Bahn AG und weiteren Bahngesellschaften, v.a. der Hessischen Landesbahn (HLB), befahren.

Da die Main-Weser-Bahn von Kassel nach Frankfurt fast ausschließlich durch die Hessische Niederung verläuft, waren beim Bau größere Brückenbauwerke oder Tunnels nicht erforderlich.  Neben dem Gleiskörper selbst, der stellenweise (z.B. im Amöneburger Becken) auf einem mehrere Meter hohen Damm verläuft, wurden im Zuge des Neubaus vor allem die Bahnhöfe und Haltestellen und die Streckenwärterhäuser errichtet, die teilweise noch erhalten sind. Die Bahnhöfe in den größeren Städten, wie etwa die in Kassel, Marburg und Gießen, wurden mit der Entwicklung des Personen- und Güterverkehrs zumeist zu klein und gegen Ende des 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch größere Neubauten im Stil der Zeit ersetzt. In den kleineren Städten und Gemeinden, wie zum Beispiel in Neustadt, Kirchhain, Fronhausen oder Lollar blieben die Bahnhöfe dagegen erhalten und wurden allenfalls durch Anbauten ergänzt. Diese Bahnhöfe, die den ursprünglichen Baubestand aus der Zeit um 1850 gut erkennen lassen, gehören damit zu den ältesten Bahnhöfen in Hessen.

 

Zu den Objekten der Route der Industriekultur Mittelhessen gehören von den Bauten an der Main-Weser-Bahn: