Energiegewinnung und Energieverteilung

Bis zum Beginn der Industriellen Revolution, die das heutige Hessen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erreichte, waren neben der Muskelkraft von Mensch und Tier die Wasserkraft von Flüssen und Bächen und das Holz als Brennholz oder Holzkohle die einzigen verfügbaren Energieträger. Die Industrialisierung, die vor allem durch den Einsatz von Maschinen in der Produktion oder im Verkehrswesen gekennzeichnet ist, war nur möglich, wenn Energie in übertragbarer Form und in ausreichender Menge zur Verfügung stand. Dabei war die Einführung und Nutzung von Dampfmaschinen, deren Kraft man vielfältig einsetzen konnte, die erste Stufe der industriellen Entwicklung. Ihr folgte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Gewinnung und der Einsatz des elektrischen Stroms, in den Städten in vielen Fällen auch die Nutzung von Gas zur Heizungs- und Beleuchtungszwecken.

Sowohl die Dampfmaschinen als auch der Einsatz des elektrischen Stroms machten größere gewerbliche Betriebe, die, wie etwa Mühlen oder Hammerwerke, jahrhundertlang an die Wasserläufe gebunden waren, standortunabhängig und trugen damit entscheidend zur Entstehung neuer Industrie bei. Die Elektrifizierung der Städte und bald auch der ländlichen Gebiete brachte Veränderungen nicht nur im technischen Bereich mit sich, sondern in der Gesellschaft insgesamt. Mit dem Anschluss an die Stromversorgung erreichte die industrielle Entwicklung letztlich auch die Dörfer, auch wenn dort noch lange ausschließlich bäuerlich oder handwerklich produziert wurde.

Technische Einrichtungen, die zur Energiegewinnung und -verteilung notwendig waren, insbesondere die frühen Anlagen zur Stromgewinnung und -weiterleitung, die sich noch vereinzelt in Städten und Dörfern finden, sind Zeugen des grundlegenden Wandels zur Industriegesellschaft. Viele der technischen Denkmäler, wie etwa die frühen, in den Innenstädten angesiedelten Elektrizitätswerke, oder Trafostationen in den Dörfern sind in der Zwischenzeit verschwunden. Die erhaltenen Anlagen sind vielfach als Kulturdenkmäler ausgewiesen, so dass die Hoffnung besteht, dass sie auch zukünftig erhalten bleiben und gepflegt werden.